Brandenburg/Havel, Schlabrendorffsche Gruft

Die Gruft der Familie Schlabrendorff ist ein schmuckloser Anbau am nördlichen Querhaus des Domes zu Brandenburg, zu dessen Baugeschichte es nur spärliche Angaben gibt. Wie den Kirchenbüchern zu entnehmen ist, fand die erste Beisetzung 1705 statt und die letzte dürfte um das Jahr 1835 erfolgt sein. Nachdem 1988 das hölzerne Gestell, auf dem die Särge gelagert waren, zusammengebrochen war, kam es zu einer ersten Sichtung des Bestandes durch Mitarbeiter des Domstifts-Archiv und des Dommuseums. Dabei wurden die Särge fotografiert und die Verstorbenen anhand von Inschrifttafeln oder Bemalungen identifiziert, was nicht in allen Fällen möglich war. Von geöffneten Särgen wurden ebenfalls die Inhalte fotographisch dokumentiert. Es zeigte sich, dass die meisten Ausstattungen gut erhalten und die Toten mumifiziert waren. Einige Särge wurden danach aussortiert und auf dem Friedgarten hinter der Bunten Kapelle wieder bestattet, der größte Teil kam zurück in die Gruft. Die 33 in der Gruft befindlichen Särge wurden diesmal direkt aufeinander gestellt. Im Zuge von konservatorischen Maßnahmen an der Bausubstanz des Gruftraums sollten die Särge erneut ausgeräumt werden. So bot sich im Juli und August 2002 die Möglichkeit eingehendere interdisziplinäre Untersuchungen am Bestand der Schlabrendorffschen Gruft durchzuführen.
Die Inhalte von elf geöffneten Särgen sollten dokumentiert und beschrieben werden. Neben der Sargausstattung waren die mumifizierten Toten Bestandteil der Untersuchungen. Aufgrund des günstigen Klimas, was insbesondere auf einer stetigen Luftzirkulation beruht, kam es zu einer überwiegend guten Mumifizierung der Leichname durch Austrocknung. Die Färbung der organischen Gewebe variierte zwischen gelblich und rötlich-braun und zeigt keinen deutlichen Zusammenhang zum Grad der Mumifizierung.
Die Altersbestimmung zeigte ein überwiegen der über 60 Jahre alten Menschen. Krankheiten waren lediglich vereinzelt zu erkennen. Bemerkenswert ist der aufgesägte Schädel des Wilhelm Karl Otto von Schlabrendorff, der auf eine Entnahme des Gehirns hindeutet, was vermutlich mit der Überführung in die Gruft zusammenhängt.
Insgesamt liefern die durchgeführten Untersuchungen wichtige Ergebnisse zu den Bestattungssitten und zur Lebenssituation einer Adelsfamilie im 18./19. Jahrhundert.


Aufgesägter Schädel des Wilhelm Karl Otto von Schlabrendorff, gestorben im Oktober 1828

Karoline Friedericke Wilhelmine von Schlabrendorff, gestorben im Januar 1835, bestattet in einem blauen Winterkleid, Detail des linken Arms

Jungklaus B (2005): Die mumifizierten Toten in der Schlabrendorffschen Gruft, Dom zu Brandenburg (Havel) – Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung. 14. Jahresbericht. Historischer Verein Brandenburg (Havel). 105-109