Forchheim, Katharinenspital

Seit dem Mittelalter wurden im Katharinenspital in Forchheim sowohl Arme und Kranke aufgenommen und gepflegt als auch wohlhabendere Bürger, letzteres scheint ab dem 15. Jahrhundert in den Vordergrund gerückt zu sein. Das Spital wurde im Laufe seiner Jahrhunderte dauernden Nutzung immer wieder umgebaut und erweitert. Seit 2016 finden an den Spitalgebäuden Umbauarbeiten statt, in deren Zuge auch eine baubegleitende Ausgrabung durchgeführt wurde. Dabei sind auch 18 Bestattungen erfasst worden, die im Anschluss an die Ausgrabung anthropologisch untersucht wurden.
Unter den Skeletten befinden sich keine Neugeboren oder Kleinkinder. Der Anteil der nichterwachsenen Individuen ist insgesamt sehr niedrig, nur ein älteres Kind und ein Jugendlicher sind vorhanden. Der Hauptteil der vorliegenden Skelettserie wird durch Erwachsene bestimmt, dabei überwiegen Individuen, die ein Alter von über 40 Jahren erreicht hatten. Es sind neun männliche und vier weibliche Personen vorhanden, allerdings auch fünf Skelette, an denen das Geschlecht nicht bestimmt werden konnte. Die vorliegenden Individuen stellen lediglich einen kleinen Ausschnitt der Spitalbevölkerung dar und sind nicht repräsentativ.
Etliche krankhafte Veränderungen ließen sich an den Knochen nachweisen. Hervorzuheben ist der Fall einer chronischen Osteomyelitis am rechten Unterkiefer eines 25-40 Jahre alten Mannes. Bei dieser Erkrankung kommt es als Folge einer bakteriellen Infektion zu einer Entzündung des gesamten Knochens, die sich in massiven, porösen Veränderungen zeigt (Abb. 1). Bei einem ebenfalls noch jungen Mann von 20-25 Jahren fand sich an der linken, hinteren Schädelseite eine etwa 5 cm lange Hiebverletzung mit Perforation des Knochens, an die sich eine Berstungsfraktur von 3,5 cm Länge anschließt (Abb. 2). Offenbar wurde die Verwundung einige Zeit überlebt, da sich erste Heilungsspuren an den Knochenkanten nachweisen lassen, dies belegt eine Pflege und Versorgung des Verletzten im Spital.
Das Katharinenspital in Forchheim hatte überwiegend die Funktion eines Pfründnerhauses, was erklärt, dass auf dem ergrabenen Friedhofsausschnitt vorherrschend ältere Individuen gefunden wurden. Insgesamt bietet die Grabung einen kleinen Einblick in die Bevölkerung des Spitals, mit vielfältigen Krankheitsbildern der „Alten und Siechen“.


Rechte Seite des Unterkiefers mit massiven, porösen Knochenveränderungen als Folge einer Osteomyelitis.

In Heilung befindliche Hiebverletzung an der hinteren, linken Schädelseite.