Hiddensee, Zisterzienserkloster

Im Herbst 2008 wurden bei archäologischen Untersuchungen, die unter der Leitung von Prof. Biermann auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienserklosters von Hiddensee durchgeführt wurden, 10 Bestattungen entdeckt. Neun Gräber fanden sich nördlich der Klosterkirche und eines im Kreuzgang östlich des Westflügels der Klausur.
Von den 10 Individuen waren sieben männlich und drei weiblich. Bis auf eine Ausnahme handelt es sich bei allen Bestatteten um Erwachsene, lediglich in Grab 8 befand sich ein junges Mädchen. Kinder fehlten völlig. Insgesamt liegt kein repräsentativer Ausschnitt der Bevölkerung vor. Das Durchschnittsalter der untersuchten Individuen lag bei 45 Jahren.
Interessant war die gemeinsame Bestattung eines 50-60 Jahre alten Mannes mit einem 14-15jährigen Mädchen. Ob es seine Frau, seine Tochter oder überhaupt eine Verwandte war, kann ohne weitere spezielle Untersuchungen nicht geklärt werden. Dass sie sich miteinander in einer Beziehung standen, ist aber anhand der Totenhaltung zu vermuten, denn der Mann hält mit seiner rechten Hand den linken Arm der Jugendlichen umfasst.
Die Krankheitsbelastung ist auffallend niedrig. Am häufigsten konnte Zahnstein und Parodontose festgestellt werden. Karies fand sich nur an einem Gebiss, was für mittelalterliche Bevölkerungen ungewöhnlich wenig ist.
Insgesamt ergibt sich mit den vorliegenden Skeletten ein kleiner, aber sehr interessanter Einblick in die mittelalterliche Klosterbevölkerung von Hiddensee, dessen auffälligstes Kennzeichnen die geringe Krankheitsbelastung darstellt.


Verheilte Hiebverletzung am rechten Stirnbein eines 20 bis 30-jährigen Mannes

Zahnstein und Parodontitis am Gebiss des 45 bis 49-jährigen Mannes

Jungklaus B (2010): Anthropologische Untersuchungen an zehn Skeletten vom Gelände des Zisterzienserklosters Hiddensee. Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrbuch 57, 359-368.