Mittenwalde, spätslawisches Gräberfeld

Im August 2004 konnten im Rahmen einer Lehrgrabung mit Prof. Dr. Biermann (Uni Greifswald) Bereiche des als Wendenfriedhof überlieferten Geländes südwestlich von Mittenwalde (Fundplatz 4) archäologisch untersucht werden.
Neben Siedlungsbefunden konnten 25 Körpergräber des 11./12. Jahrhunderts geborgen werden. Die Bestatteten waren in gestreckter Rückenlage und annähernd in Ost-West Richtung beigesetzt worden. Mit einer Ausnahme sind alle Gräber mehr oder weniger stark gestört. Dieser Umstand schränkte die anschließend durchgeführte anthropologische Untersuchung teilweise ein. Die höchste Sterberate konnte im fortgeschrittenen Erwachsenenalter zwischen 40 und 59 Jahren festgestellt werden, die zweithöchste bei den Individuen zwischen 20 und 39 Jahren. Kinder sind mit einer Gesamtanzahl von fünf unterrepräsentiert. Auffällig ist, dass zum überwiegenden Teil Männer nachgewiesen wurden. Insgesamt stehen 16 männliche zwei weiblichen Individuen gegenüber. Interessant ist deren Verteilung auf dem Gräberfeld. Die beiden Frauen finden sich im südlichen Bereich, die Kinder und Jugendlichen sind im nördlichen Bereich konzentriert und die Männer verteilen sich dazwischen über das gesamte untersuchte Friedhofsareal.
Die zahlreich vorkommenden degenerativen Erkrankungen an den Wirbeln und Gelenken sprechen für eine starke Belastung durch körperliche Arbeit, wie sie im landwirtschaftlichen Bereich üblich ist. Die im Epochenvergleich eher hohe Belastung mit Karies ist ein Indiz für eine vornehmlich pflanzliche und damit kohlehydratreiche Ernährung, wie sie in Form von Mehlspeisen und Getreidebreien bestanden haben könnte und für Ackerbauern und Gemischtköstler typisch ist. Im Vergleich mit weiteren slawischen Skelettserien, kann für die Bevölkerung aus Mittenwalde auf eher günstige Lebensbedingungen geschlossen werden. Abschließend sei angemerkt, dass aus Mittenwalde nur 25 Individuen vorliegen. Die Überprüfung der Repräsentanz erbrachte, dass dieser Ausschnitt der damaligen Bevölkerung ein zufälliger ist. So sollten die Ergebnisse mehr als Tendenz verstanden werden.


Studenten dokumentieren die Gräber

Zähne des linken Unterkiefers mit starken Abkauungen

Biermann F & Jungklaus B (2005): Garantiert ohne Wiederkehr. Archäologie in Deutschland 4, 42.

Biermann F & Jungklaus B (2005): Slawische Gräber und Siedlungsreste am Mittenwalder „Wendenfriedhof“. Heimatkalender 2006, Königs Wusterhausen und Dahmeland, 72-78.

Biermann F & Jungklaus B (2005): Slawische Gräber am Wendenfriedhof. Ausgrabungen in Mittenwalde, Lkr. Dahme-Spreewald. Archäologie in Berlin und Brandenburg 2004, 72-74.

Jungklaus B (2006): Die Skelette des slawischen „Wendenfriedhofs“ bei Mittenwalde, Landkreis Dahme-Spreewald – Aspekte der Krankheitsbelastung. Einsichten 16, Archäologische Beiträge aus dem Süden des Landes Brandenburg 2004/2005, 231-239.

Biermann F & Jungklaus B (2006): Der „Wendenfriedhof“ von Mittenwalde, Lkr. Dahme-Spreewald. Vorgeschichtliche und slawische Siedlungs- und Grabfunde sowie spätmittelalterliche Flurrelikte. Veröffentlichungen zur brandenburgischen Landesarchäologie, Band 38 2004 (2006), 83-154.