Molzbichl, Gräberfeld der Karantanen

Auf dem ehemaligen Klostergelände in Molzbichl (Kärnten, Österreich) fanden in den Jahren 2013/14 Ausgrabungen statt, bei denen 14 menschliche Skelette aus dem 10. Jahrhundert geborgen wurden. Das Kloster von Molzbichl war im 8. Jahrhundert ein bedeutendes Missionszentrum im slawischen Karantanien, das spätestens im 10. Jahrhundert aufgelassen und zerstört wurde.
An den vorliegenden Skeletten erfolgten umfangreiche anthropologische Untersuchungen mit den gängigen Methoden. Die 14 vorliegenden Skelette aus Molzbichl stellen zwar lediglich eine zufällige Stichprobe aus der Bevölkerung des 10. Jahrhunderts dar, doch gestatten die Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung interessante Einblicke in die Lebenssituation der Menschen.

Es konnten sieben Erwachsene, fünf Kleinkinder, davon ein Neugeborenes und zwei Jugendliche bestimmt werden. Fünf Personen sind weiblichen Geschlechts, zwei sind anscheinend weiblich, drei männlich, drei anscheinend männlich und bei einem Individuum war das Geschlecht nicht zu bestimmen. Auffallend ist der hohe Anteil an nichterwachsenen Individuen mit 50 %.
Bei den erwachsenen Individuen deutet die durchschnittlich niedrige Körperhöhe von 154 cm der auf eine geringen Versorgung mit tierischem Protein während des Wachstums hin. Eine hohe Kariesbelastung bestätigt eine überwiegend kohlehydratreiche Ernährung.
Einige Individuen fallen durch eine hohe Krankheitsbelastung auf. So ließ sich bei einer jüngeren Frau eine fortgeschrittene rheumatoide Polyarthritis feststellen. Insgesamt entsteht das Bild einer Bevölkerung, die eher unter ärmlichen Bedingungen gelebt haben dürfte.


Kariöse Zahnstümpfe und apikale Prozesse im Oberkiefer

Völlig zerstörte distale Gelenkenden an rechter Elle und Speiche als Folge einer rheumatoide Polyarthritis

Jungklaus B (im Druck): Der karantanische Kirchfriedhof von Molzbichl/Kärnten – Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung. BUFM 81.