Schilde, Gruft der Familie von Graevenitz

In der Gruft der Familie von Graevenitz in Schilde (Lkr. Prignitz) wurden im Herbst 2016 Sanierungsarbeiten durchgeführt (Abb. 1). In diesem Zuge erfolgte auch eine Sichtung und Bearbeitung der Särge aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit ihren Inhalten sowie den Überresten der Beigesetzten. Die menschlichen Überreste lagen ohne gesicherten Zusammenhang zu den Särgen vor, da diese teilweise in erheblichem Maße zerfallen und die Inhalte auf dem Gruftboden verstreut waren. Deshalb wurde in einem ersten Schritt eine Bestandsaufnahme durchgeführt, danach die Individuen rekonstruiert.

Es fanden sich Mumien, mumifizierte Gewebe und gut erhaltene Einzelknochen, die sich zu 14 Individuen zusammen fügen ließen: Neun Erwachsene, eine Jugendliche und vier Kleinkinder, davon vier Männer und sechs Frauen (inkl. der weiblichen Jugendlichen) feststellen. Bei den Kindern konnte methodisch bedingt das Geschlecht nicht bestimmt werden. Die Körperhöhe war bei sechs erwachsenen Individuen zu errechnen und betrug im Durchschnitt für die Männer 172,3 cm und für die Frauen 154,3 cm. Einige auffällige Krankheiten waren nachzuweisen, zwei mögliche Fälle von Knochentumoren sowie Zahnerkrankungen in Form von starkem Zahnsteinbefall (Abb. 2) und Karies. Zwei der Kinder litten vermutlich unter Rachitis.


Dorfkirche in Schilde

Massive Zahnsteinbildungen an der labialen Seite der unteren Schneidezähne. Der erste Molar ist an allen Seiten mit Zahnstein bedeckt