Stralsund, Massengrab von 1628

Im Jahr 2010 fanden im Quartier Frankenhof südöstlich der Stralsunder Altstadt archäologische Untersuchungen statt. Dieses Areal war seit dem 17. Jahrhundert von massiven Festungsanlagen geprägt und mehrfach Ziel von feindlichen Angriffen. Auf der Fläche wurden an mehreren Stellen menschliche Skelette entdeckt. Aus zwei Massengräbern stammen 13 Individuen, die mit der Belagerung von 1628 oder einer späteren Epidemie in Zusammenhang gebracht wurden. Im Massengrab 2 fanden sich 10 Individuen in einer Ebene niedergelegt, das Massengrab 3 wies Reste von 3 Skeletten auf und war stark gestört. An den Individuen ist eine anthropologische und paläopathologische Untersuchung durchgeführt worden, die aufschlussreiche Ergebnisse zum Leben der Bestatteten erbrachte und Rückschlüsse auf ihr Sterben erlaubte. In den beiden Massengräbern wurden ausschließlich männliche Individuen, vorwiegend jüngeren Alters zwischen 21 und 25 Jahren beigesetzt, sodass ein militärischer Kontext zu vermuten ist. Die durchschnittliche Körperhöhe betrug 166 cm. Insgesamt waren die begrabenen Männer in einem schlechten gesundheitlichen Zustand und wiesen eine sehr hohe Krankheitsbelastung auf. Besonders häufig waren Erkrankungen, die auf unzureichende Lebensbedingungen schließen lassen, wie Sinusitis maxillaris, Stomatitis sowie Cribra cranii. Lediglich zwei Männer zeigten unverheilte Hiebverletzungen, die jedoch vermutlich nicht sofort zum Tode geführt hatten. Vermutlich handelt es sich bei den Verstorbenen nicht um Opfer einer Kampfhandlung, sondern um Insassen eines Krankenlagers oder einer ähnlichen Einrichtung, die an Infektionserkrankungen (z. B. Seuchen) verstarben. Das Vorhandensein von unverheilten Verletzungen lässt eine Datierung des Grabes in die Zeit der Belagerung von 1628 zu.


Unverheilte Hiebverletzung am Hinterhaupt mit Knochendurchtrennung und im oberen Bereich von Berstungsfraktur begleitet

Poröse Veränderungen der Lamina externa im Bereich beider Parietalia, wahrscheinlich als Folge von Parasitenbefall (z. B. Kopfläuse)

Jungklaus B, Konze M & Samariter R (2012) Die Stralsunder Stadtbefestigung. StraleSunth – Stadt-Schreiber-Geschichte(n), Jahrgang 2/2012, 98-103.