Wolkenberg

Aus dem Innern der um 1442/43 errichteten gotischen Saalkirche von Wolkenberg stammen 73 Gräber, die sicher ins Mittelalter zu datierenden sind. Sie sind den beiden Vorgängerbauten aus dem 13./14. Jahrhunderts zuzuordnen. Die Knochenerhaltung der Skelette ist durchgängig ziemlich schlecht. So weist der überwiegende Teil der Gräber keine erhaltenen Knochen mehr auf. Von 40 Bestattungen sind Skelettelemente in relevantem Umfang erhalten, die im Rahmen des DFG-Projekts zu den mittelalterlichen Dörfern der Mark Brandenburg anthropologisch untersucht wurden. Dabei stehen die Ermittlung des Sterbealters, des Geschlechts und der Körperhöhe eines jeden Individuums im Vordergrund. Vorhandene Krankheiten werden ebenfalls erfasst. Die Individualdaten lassen sich zu Kollektivdaten verknüpfen und geben Auskunft über die untersuchte Bevölkerung. Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Bild der Lebensbedingungen zu erhalten. Aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Knochen war die Ermittlung der Individualdaten zum Teil erheblich erschwert.

Insgesamt handelt es sich bei der Skelettserie von Wolkenberg lediglich um einen kleinen Ausschnitt der damaligen Bevölkerung, der nicht als repräsentativ angesehen werden kann. Die Altersstruktur entspricht weitgehend den Vorstellungen einer gewachsenen Population in vorindustriellen Zeiten. Die Geschlechterverteilung weist einen deutlichen Männerüberschuss auf, der vermutlich auf den schlechteren Erhaltungszustand der Skelette weiblicher Individuen zurück zu führen ist. Die durchschnittliche Körperhöhe zeigt einen auffällig großen Unterschied zwischen den Geschlechtern, der möglicherweise auf eine schlechtere Versorgung der Frauen mit tierischem Protein hinweist. In die Krankheitsbelastung sind lediglich punktuelle Einblicke möglich. Die Zähne und Gebisse weisen zahlreiche Erkrankungsspuren auf. Degenerative Veränderungen an den Gelenken und Wirbeln sind selten nachzuweisen, was vermutlich an dem durchweg eher schlechten Erhaltungszustand der Knochen liegt.


Linke Schädelseite einer 25 bis 35 Jahre alten Frau mit einer unverheilten Hiebverletzung

Schwere Arthrosis deformans am Caput femoris

Jungklaus B (2011): Wie lebten sie? Wie starben sie? Anthropologische Untersuchungen an Niederlausitzer Skeletten geben Antworten. Archäologie in Berlin und Brandenburg 2009, 114-117.

Jungklaus B (2012): Der mittelalterliche Friedhof. In: Spazier I, Agthe M, Heber S, Jungklaus B & Schauer B (Autoren): Wolkenberg. Die archäologische Untersuchung in der Ortslage von Wolkenberg/Niederlausitz. Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg 22. Wünsdorf, 118-123.

Henker J & Jungklaus B (2013): Dorfentstehung und Dorfbevölkerungen – Fallbeispiele aus der Niederlausitz. Heimann H-D, Neitmann K & Tresp U (Hsg.): Die Nieder- und Oberlausitz: Konturen einer mittelalterlichen Integrationslandschaft, Bd. 1 Mittelalter. Lukas Verlag, Berlin, 293-313.