Wusterhausen, spätslawisches Gräberfeld

Im Stadtkern von Wusterhausen an der Dosse sind im Frühjahr 2006 Teile eines slawischen Gräberfeldes archäologisch untersucht worden. Insgesamt konnten fast 70 Bestattungen vollständig ausgegraben werden, darunter zwei reich ausgestattete Kammergräber mit Schwertbeigabe. Die anschließende anthropologische Untersuchung erbrachte aufschlussreiche Ergebnisse, die Rückschlüsse auf das Leben der einstigen Bewohner ermöglichten. Die vergleichsweise niedrige Kindersterblichkeit und hohe Lebenserwartung geben Hinweise auf eher günstige Lebensumstände. Die durchschnittliche Körperhöhe lag im Bereich anderer mittelalterlicher Bevölkerungen der Mark Brandenburg. Die Ernährung bestand vermutlich überwiegend aus Getreideprodukten mit einem erheblichen Anteil an tierischen Lebensmitteln. Hinweise auf körperliche Stresssituationen im Kindesalter sind insgesamt selten. Traumatische Läsionen an den Knochen kommen ebenfalls nur vereinzelt vor. Häufiger sind dagegen Spuren chronischer Atemwegsinfekte, die vermutlich mit der Wohnweise in Häusern mit offener Herdstelle im Zusammenhang stehen. Insgesamt dürften die mittelalterlichen Bewohner von Wusterhausens unter vergleichsweise guten Lebensbedingungen gelebt haben.


Detailblick in die rechte Kieferhöhle - extrem massive spiculaeartige Knochenneubildungen, vermutlich als Folge einer chronischen Sinusitis maxillaris

sehr stark deformierter rechter Oberschenkelkopf, vermutlich Folge einer schweren Verletzung, bei der es zu einer Kompression des Hüftgelenks kam

Jungklaus B (im Druck): Die spätslawische Bevölkerung von Wusterhausen (Lkr. Ostprignitz-Ruppin) – Eine anthropologische Rekonstruktion der Lebensbedingungen.